

von: Daniel Hübner, 25.05.2011
Magdeburg. Der Gang durch die Geschäftsstelle ist auch eine Reise durch
die Vergangenheit mit allen Wimpeln, Plakaten und Pokalen, mit einem Gemeinschaftsraum, in dem die
Wasserballer der WU Magdeburg ihre Freude zelebrierten und ihren Frust verarbeiteten. Hannes Koch mag noch
gar nicht daran denken, dass statt des gelben, ein bisschen verwohnten und verfeierten Gebäudes im Rücken der
Dynamo-Schwimmhalle an der Großen Diesdorfer nach seinem baldigen Abriss ein leerer Raum sein wird. "Damit
geht ein Stück Vereinskultur verloren", sagt der WUM-Geschäftsführer. So wie sie verlorenging, als der Verein
sein Trainings- und Spieldomizil vor 15 Monaten in die Elbeschwimmhalle verlegen musste.
Ab
Oktober sind die Magdeburger wieder zu Hause. Dann soll die für knapp acht Millionen Euro sanierte
Schwimmhalle feierlich eingeweiht werden. Die Sehnsucht ist groß, schon lange, schon immer, seit dem Auszug
im Februar 2010 nämlich. Hannes Koch spaziert derzeit noch an Gerüsten vorbei durch einen großen dunklen
Raum, der sehr nach Neu riecht, in dem man sich bereits ein Bild von der Zukunft machen kann. 700 Zuschauer
könnten an den Spieltagen der Bundesliga einen Platz finden.
Koch kann sich überhaupt vieles
vorstellen, um den Wasserball ins rechte Licht der Dynamo-Schwimmhalle zu rücken, aus jenem entrückt war mit
dem Umzug ins Stadtzentrum vor allem der Nachwuchs. "Für uns ist die Rückkehr vor allem ein Neubeginn", sagt
Koch. "Wir hatten in den vergangenen Monaten einen großen Mitgliederschwund." Vielleicht 40 Kinder waren dem
Verein weggebrochen, schätzt Koch.
Wer allein dem Argument, dieser mittelfristige Umzug hätte den
Bruch im Vereinsgefüge bewirkt, nicht glaubt, der kennt das Beispiel SV Halle noch nicht. In Halle sind die
Wasserballer zweimal umgezogen in wenigen Jahren, sie spielten dort einst in der 2. Bundesliga, jetzt spielen
sie in der Landesliga Thüringen/Sachsen-Anhalt – oder wie Uwe Althaus, Mitglied des Vereins und
Wasserballwart des Landesschwimmverbandes (LSV) zugleich, es erklärt: "Sie dümpeln da rum. Das ist ein
Beispiel dafür, wie man Wasserball endgültig kaputtmachen kann." Nachwuchs war in Halle lange Zeit auch nur
ein Wort, inzwischen setzen sie wieder alles daran, Taten folgen zu lassen – im D- und E-Jugendbereich. "Aber
es braucht seine Zeit, um sich wieder hochzuziehen."
Viel weiter war längst die WUM, aber das hat
sich geändert – trotz eines riesigen Erfolges. Vor zwei Jahren hat Magdeburg den dritten Platz bei den
deutschen Meisterschaften der C-Jugend belegt. Die Trainer hießen damals Christopher Bott und Christian
Schlanstedt, beide spielen im Bundesliga-Team. Sieben Jugendnational- spieler zählte die WUM außerdem. Und
trotzdem "wurde der Wasserball nicht wahrgenommen" auf höherer Verwaltungsebene, sagt Koch. Beim
Landessportbund (LSB), der die Fördermittel vergibt, hat er zwölf Jahre lang um die Förderung einer
hauptamtlichen Trainerstelle für den Nachwuchs geworben, bis heute wurde sie nicht genehmigt. Inzwischen
erklärt Koch: "Ich habe den Kampf aufgegeben."
Uwe Althaus kann das verstehen. "Wasserball wird
nicht als Schwerpunktsportart anerkannt" beim LSB. Auch die Unterstützung vom Deutschen Schwimmverband (DSV)
ist zurückgefahren worden. Althaus bestätigt das entsprechend harte Urteil: "Wasserball hat einfach keine
Lobby."
Zumindest konnte Magdeburg eine halbe Stelle für Milos Sekulic in Magdeburg retten,
Althaus ist sich jedenfalls sicher, dass der WUM- und Nachwuchslandestrainer auch 2012 seinen Platz am
Beckenrand findet, gefördert in einer Mischfinanzierung von LSV, LSB und DSV. Für 2013 sucht Althaus bereits
einen anderen Weg der Unterstützung – mit dem Wechsel in einen anderen Fördertopf. "Wir kämpfen darum,
Projektsportart zu werden", sagt Althaus – und vom LSB unterstützt zu werden.
2013 hat WUM
vielleicht schon andere Referenzen zu bieten. Steven Piotrowski, ein Magdeburger in Diensten der
Wasserfreunde Spandau, fährt im September mit dem Nationalteam zur Jugend-EM nach Rijeka (Kroatien). Althaus
hofft, dass Dennis Kohnert, auch ein Magdeburger bei Spandau, ebenfalls auf den EM-Zug aufspringt.
Schlanstedt geht als WUM-Nachwuchskoordinator indes auf Sichtungstour.
Und dann kommt der Oktober,
die Rückkehr der WU Magdeburg zurück in ihr altes neues Domizil. Und mit ihm die Hoffnung auf eine
kontinuierliche und erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Denn für Wimpel, Pokale und Plakate findet sich immer ein
Platz.