

von: Daniel Hübner, 14.10.2011
In diesen Tagen muss Tamas Kuncz auf seine Lieblingsbeschäftigung verzichten. Wer ihn in Magdeburg bei schönem Wetter sucht, findet ihn nämlich an Tankstellen. Seinen Fiat hat der 25-Jährige ins Herz geschlossen, weshalb er ihn permanent wäscht. Und man hat dem Neuzugang der Wasserball-Union (WUM) auch schon nachgesagt: "Das Auto ist sein bester Freund."
Aber jetzt ist es nass und grau und kalt draußen, und es ist zu vermuten, dass Freundin Silvie besser mit dem Herbst leben kann. In den vergangenen sieben Jahren saßen beide 250 000 Kilometer weit im Auto. Und sie lieben sich immer noch. Was für eine Leidenschaft.
Wer sich auf der Suche nach Kuncz Zeit sparen möchte, der kommt künftig in die Elbeschwimmhalle zu den Spielen der WUM in der Bundesliga-GruppeB. Kuncz hat da Großes vor mit seinem neuen Team, er ist ja auch Großes gewöhnt. Im Sommer ist er von Spandau gewechselt, seiner ersten Station in Deutschland. Und beim besten Team in der deutschen Wasserball-Historie gespielt zu haben, ist eine Referenz. In seiner Heimat hatte der Ungar Kuncz mit Vasas Budapest den nationalen Titel geholt, sich mit Szeged Beton die LEN-Trophy (Europapokal) gesichert.
Jetzt aber freut er sich auf Magdeburg. Er will mit der WUM den Fans "gute und aufregende Spiele" zeigen. Und er will "den Aufstieg in die A-Gruppe schaffen". Denn, ist sich Kuncz sicher, "wenn wir alle gut zusammen funktionieren, dann ist der Aufstieg gar kein so großer Traum". Am 29. Oktober startet die Saison mit dem Heimspiel gegen Esslingen.
Kuncz ist kampferprobt. In Ungarn selbst war für den 1,99-Meter-Hünen ein anderes Wasserball-Pflaster. "Dort ist die Meisterschaft härter, weil fünf, sechs Mannschaften um die Spitze kämpfen." Hierzulande sind es eigentlich nur zwei, Spandau und ASC Duisburg. Kuncz, der die halblinke Position des abgegangenen Lazar Kilibarda (Bayer Uerdingen), bester WUM-Schütze der vergangenen beiden Jahre, übernehmen wird, zählt das Hinein- und Mitdenken im Spiel zu seinen größten Stärken. Seinen "guten Schuss" außerdem, sagt er lächelnd - und auch seine grünen Augen funkeln gleich ein bisschen mehr.
Diese Qualitäten kommen nicht von ungefähr. Während sein neuer Trainer Vlad Hagiu in seiner Heimat Rumänien eine lebende Wasserball-Legende ist, hat sich Kuncz' Vater Laszlo diesen Status in Ungarn verdient. 330-mal spielte er im Nationalteam, Bronze holte er bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. Und er hat "im Verein alles gewonnen, was man gewinnen kann", berichtet Kuncz junior. Mit Honved Budapest.
Kuncz fühlt sich wohl in Magdeburg, das sagt er, das spürt man. Eine schlechte Nachricht musste er - tief seufzend - dennoch bereits vernehmen: Kuncz ist Fan der Tourenwagen-Weltmeisterschaften WTCC, seine Deutschland-Premiere bei dieser Serie wird er nach vier Besuchen auf dem Hungaroring wohl nicht erleben. Die WTCC fährt in der Motorsport Arena Oschersleben nicht mehr. Aber jetzt ist Wasserball.
Das für den 22. Oktober angesetzte Pokal-Spiel der WUM gegen Neuköln ist in den Januar verlegt worden.