von: Daniel Hübner,
08.12.2011
Schoder hält mit Freude
Marco Schoder richtet am Montag nach dem Training seinen Blick in den weiten Raum der Dynamo-Halle. Er sagt: "Die Halle gefällt mir, unser schönes neues Zuhause." Er sagt das nicht euphorisch, er sagt das ganz ruhig.
Ruhe könnte sein zweiter Vorname lauten, manchmal wird sie ihm vorgeworfen, gerade dem Torhüter Schoder, der die Vorderleute dirigieren soll. Der 26-Jährige selbst sagt: "Der Torwart soll Ansagen machen, und ich behaupte von mir, dass ich das auch tue." Schoder ist der Keeper der Wasserball-Union Magdeburg (WUM), der Mann, der in dieser Saison alle überrascht. Er selbst mag gar nicht von einer Leistungsexplosion reden. Schoder hält einfach wie Schoder, und das hat in erster Linie mit viel Freude zu tun.
Nach 21 Monaten der Sanierung ist das Becken für die Rückkehr der WUM angerichtet. Am Sonnabend kommt die SGW Köln in die Halle an der Großen Diesdorfer Straße (18 Uhr) zum Spiel der Bundesliga-Gruppe B. Und die WUM hofft zugleich auf die Rückkehr in die Erfolgsspur. Dreimal in Folge mussten sich die Schützlinge von Vlad Hagiu geschlagen geben, weil wichtige Spieler zum Beispiel ausgefallen waren. Aber allein das lässt Keeper Schoder nicht als Erklärung gelten: "Man sieht einfach: Es läuft nicht." Er meint spielerische Automatismen, die zuweilen fehlen, wie die Überzahlsituationen regelmäßig zeigen. Zu häufig verpasst Magdeburg in diesen Phasen den Torerfolg.
Das Resultat bislang: Platz sieben, 3:7 Punkte. Entsprechend selten lächelt auch Hagiu in diesen Tagen, spricht er über die Spiele des Teams. Lächeln kann er allerdings über Schoder, denn nach dem Abschied von Roland Kiffer hat er mit Marc Böer und Schoder sein starkes Torwartduo gefunden.
Schoder ging auch den Weg des Schwimmers, den Sprung in die Leistungsklasse hatte er nicht geschafft. Mit elf Jahren kam er zum Wasserball, er gehört zu den Dienstältesten des Teams. Und er hatte sich im Sommer gefreut, dass Hagiu ihm das Vertrauen schenkte. Zuvor spielte er noch in der 2. Liga, "aber das war kein Gradmesser, deshalb wusste ich auch nicht, wo ich stehe".
Er hält nun auf hohem Niveau, und weil alle davon überrascht sind, klingt immer ein Raunen mit, wenn alle über Schoder sprechen. Über Torhüter sagt man, sie wären verrückt, weiß der Maschinenbau-Student. Aber seinen Charakter beschreibt er so: "Ruhig, das ist kaum zu übersehen." Manchmal ist das die größere Stärke.
Der Traum vom Aufstieg ist "gar kein so großer Traum"