

von: Daniel Hübner, 24.08.2011
Am 29. August startet die Wasserball-Union Magdeburg (WUM) in die Vorbereitung auf die neue Saison in der Bundesliga (Gruppe B). Trainer Vlad Hagiu wird dann noch nicht alle Zugänge empfangen. Aber mit Lukas Wien (Waspo Hannover), Tamas Kuncz und Rückkehrer Dennis Kohnert (beide WF Spandau) sind es drei neue Akteure, die im Verlauf der nächsten Woche zum Team stoßen.
Magdeburg. Vlad Hagiu muss aber auch verzichten - und zwar auf jegliche Linkshänder. Da ist zum einen der Abgang von Mateja Loncaric mit dem Ziel "unbekannt". Dann ist es der Abgang von Michael Knobloch mit dem Ziel Bayer Uerdingen, und es ist der Abgang von Lazar Kilibarda, auch mit Ziel Uerdingen, wenn der Verein ein neues Visum für den Serben erwirken kann. Der 25-Jährige hat seinen Vertrag bei Bayer jedenfalls schon unterschrieben. Aufgehört hat zudem Daniel Bott, der aus privaten Gründen kürzer treten wird. Soweit die Namen. Aber zu ihnen gehören auch Emotionen.
Knobloch hat noch Mühe, sich durch die neue Verkehrslage in Uerdingen zu bewegen. Auch am vergangenen Sonnabend sprach sein Navigationsgerät mit ihm auf der Autofahrt, dann hat er doch eine Abfahrt verpasst, er fuhr auf einen Supermarkt-Parkplatz, stellte den Pkw ab, so sprach es sich besser.
Ausgerechnet Knobloch ist weg, ein Urgestein im Magdeburger Wasserball, wenn man bei einem 25-Jährigen von Urgestein reden darf. "Ich hatte schon lange den Gedanken, die Region zu wechseln", sagt Knobloch. Ganz so schnell geht es nun nicht. Ein halbes Jahr muss er noch in Magdeburg lernen und seine Lehre zum Großhandelskaufmann beenden, ehe er in Dortmund als Fachberater einsteigen kann, gleiche Firma, andere Zweigstelle. Derzeit streicht er die Wohnung in Uerdingen, die ihm Bayer besorgt hat und die er mit Kilibarda beziehen will. "Ich bin auch aufgrund der besseren sportlichen Perspektive gewechselt", sagt Knobloch.
Uerdingen, das in der Relegation den Klassenerhalt in der Gruppe A mit einem 3:2 gegen die WUM geschafft hat, hat sich nicht darum geschert, dass Knobloch ein halbes Jahr nicht spielen konnte aufgrund seiner Schulterverletzung. "Wir wussten, wie du vorher warst", haben sie ihm bei Bayer erklärt. "Ich habe da bessere Bedingungen", hat Knobloch festgestellt. Und in dem halben Jahr nun, bis er die Lehre in Magdeburg beendet hat, zahlen sie ihm auch die Fahrtkosten. Das macht den Stress etwas erträglicher. In Magdeburg können sie seinen Schritt trotzdem nicht nachvollziehen. "Ja, da sind viele Skeptiker dabei", weiß Knobloch. "Aber das reizt eigentlich auch."
Bitter stößt dagegen der Abgang von Kilibarda auf. Und die Geschichte hat wiederum zwei unterschiedliche Lesarten. Hannes Koch, der WUM- Geschäftsführer, hat einen Antrag auf Freigabe für den Spielmacher von Bayer erhalten, datiert vom 12. Mai, wenige Tage nach Saison- ende also. Koch vermutet deshalb, "dass die Gespräche dann vor oder während der Relegation gelaufen sein müssen. Ich will niemandem was unterstellen, aber das hat einen verdammt bitteren Beigeschmack." Tatsächlich hatte Kilibarda viele Qualitäten vermissen lassen in der Relegation. Aber das allein hat Uerdingen nicht zum Klassenverbleib verholfen.
Michael Knobloch wiederum kann sich nicht erklären, wie das Datum 12. Mai auf den Antrag kommt, denn "ich habe den Kontakt zwischen Bayer und Lazar hergestellt", und dies wiederum viel später. "Man hatte mir gesagt, es wird noch dringend ein Spielmacher gesucht." In Uerdingen hat sich nach der vergangenen Saison vieles verändert, der Vorstand hat sich neu organisiert, die Trainerin Pia Schledorn musste gehen, dafür kam Rainer Hoppe. Gegen den Abstieg will Bayer jedenfalls nicht noch mal spielen.
In dieser Hinsicht soll Michael Knobloch eine hilfreiche Rolle übernehmen. Er klingt selbst optimistisch, aber er geht auch mit einem weinenden Auge. "Mir tut es leid um die Mannschaft und um die Fans", sagt er. Denn solch eine Resonanz wie in Magdeburg wird er in Uerdingen nicht erleben. Die bekommen dafür nun Kuncz, Wien und Kohnert zu spüren.