

von: Daniel Hübner, 11.05.2011
Magdeburg. Vlad Hagiu hat sich eine kleine Tasse Kaffee bestellt am vergangenen Freitagvormittag, er sagt:
"Das ist ein schöner Tag" und deutet mit einem Fingerzeig auf die flanierenden Menschen in Magdeburgs
Innenstadt an, wie sehr es ihm hier gefällt. "Wir fühlen uns sehr wohl in Magdeburg", bestätigt der 48-
Jährige, der auch im sportlichen Bereich in Deutschland längst angekommen ist. Nicht nur die WUM-Mannschaft
wurde ihm anvertraut, sondern die C-I-Nationalmannschaft außerdem. Über die 17- und 18-jährigen Burschen sagt
Hagiu: "Sie haben ein großes Potenzial." Das wird Bundestrainer Hagen Stamm, mit dem der Rumäne befreundet
ist, freuen.
Es ist nur wenige Wochen her, da das Leid die Freude in den Schatten stellte, da WUM
das erklärte Ziel Aufstieg in die Gruppe A verpasste. Ein 2:3 in der Playoff-Serie gegen Bayer Uerdingen
verhinderte einen möglichen Autokorso von der Elbeschwimmhalle in die alte Dynamo-Halle, die bis Oktober im
neuen Glanz erscheinen soll. "Es wird alles besser in der Halle an der Großen Diesdorfer", weiß Hagiu, "denn
das ist unsere Halle."
Bis Ende Mai, am 28. reist Hagiu in die Heimat, soll der Kader für die
kommende Serie stehen. Es wird Veränderungen geben, hatte WUM-Geschäftsführer Hannes Koch bereits vor Wochen
versichert. Klar ist, dass Lazar Kilibarda nicht mehr für Magdeburg spielen wird, ihn zieht es wohl zurück in
die serbische Heimat. Gar nicht klar ist derzeit die Zukunft von Landsmann Mateja Loncaric, für den sich
Hagiu allerdings einsetzt: "Mateja ist ein guter Spieler und ein Linkshänder, er muss bleiben."
Es
gibt dann die Überlegung, Nachwuchs-Akteure zu integrieren, "aber dazu müssen wir die Gespräche zunächst mit
den Eltern führen", erklärt wiederum Koch, bevor Namen genannt werden. Zudem steht Hagiu in Kontakt mit einem
18-jährigen Rumänen, der die Rolle von Kilibarda übernehmen könnte. Letztlich ist zurzeit alles relativ.
Bei allen möglichen Wechseln bleibt jedoch der Magdeburger Kader zum großen Teil bestehen. Die
Verträge sind längst gemacht. Die Mannschaft soll natürlich weiter zusammenwachsen, aber sie "muss auch im
Kopf arbeiten". Kopf fehlte gerade in den Playoffs, als "sie nicht gemacht hat, was wir besprochen hatten",
erinnert sich Hagiu an die drei Niederlagen in Uerdingen, die viele enttäuschte Gesichter zurückließ – zumal
WUM bei den Heimsiegen gegen Bayer so sehr zu überzeugen wusste und im Vorfeld als Spitzenreiter der Gruppe B
die Konkurrenz klar dominiert hatte. Hagiu erwartet zudem eine Leistungsexplosion bei Tom Hagendorf und Tim
Richter, die über den Status der Ergänzungsspieler hinauskommen sollen.
Der Coach selbst will ab
dem 1. September vermehrt die spielerische Komponente ins Training einbauen, nachdem in den acht Monaten
seiner Amtszeit am Bec-kenrand vor allem geschwommen und Taktik studiert wurde. Regelmäßige Einheiten mit
Waspo Hannover oder auch OSC Potsdam (beide Gruppe A) kann er sich vorstellen. Aber sein Blick verrät auch
eine gewisse Skepsis, denn die Tests gegen Hannover in der abgelaufenen Serie wurden zumeist nur von sieben
Spielern absolviert. "Ich weiß, es sind alles keine Profis", sagt Hagiu, selbst ein Profi und eine lebende
Wasserball-Legende in seinem Heimatland. Es sind vielmehr Studenten, Arbeitnehmer, auch Schüler. Hagiu hofft
trotzdem, seinen Männern etwas von seiner Mentalität geben zu können.
Vielleicht hilft ihnen auch
diese positive Einschätzung des Trainers ein bisschen weiter: "Wären es 16 Mannschaften in einer Bundesliga,
würden wir Platz fünf bis sieben belegen", erklärt Hagiu mit fester Stimme – entsprechend dem spielerischen
Niveau. Nur der Kopf wartet noch auf seine endgültige Befreiung. Trotzdem wird es WUM auch in der neuen Serie
nicht nur um den Klassenerhalt gehen, sondern um den erneuten Einzug in die Playoffs.